Songtext überarbeiten – Durch Fragen zum perfekten Text [06]

26. Januar 2015

Der Feinschliff – 100 lyrische Karat

Beim Songtexte Schreiben ist das sinnvolle Songtext überarbeiten enorm wichtig. In dieser Folge zeigen wir euch, die ihr den Rhythmus perfektionieren könnt, die Struktur überarbeitet und stellen euch Fragen, die ihr direkt auf euren Songtext anwenden könnt. Wir sprechen über verschiedene Aspekte, mit denen ihr den Inhalt, das Gesamtbild, den Rhythmus und die Struktur im Songtext überarbeiten könnt.

Den Songtext überarbeiten

In unseren letzten Folgen habt ihr jede Menge Techniken zum Schreiben des ersten Entwurfs kennengelernt. Außerdem wisst ihr, wie ihr den Text rhythmisch richtig verteilt, wie ihr eure Reime verbessern könnt und wie ihr eurem Text mehr Intensität verleihen könnt, indem ihr unsere NLP-Techniken anwendet.

In dieser Folge soll es nun um die Überarbeitung gehen. Wir geben euch jede Menge Fragen, die ihr euch bezüglich eures Songtexts stellen, und ihn damit verbessern könnt. Diese Fragen haben wir in vier Kategorien geteilt: Struktur, Rhythmus, Inhalt und Gesamtbild. Außerdem erfahrt ihr, wann genau euer Text fertig ist und ihr den Stift beiseite legen könnt.

Struktur

Wie ist der Song aufgebaut?

Spätestens nach eurem ersten Entwurf sollte klar sein, in welcher Reihenfolge die Songabschnitte kommen. Außerdem wisst ihr nun, wie lang eure Strophen und euer Refrain genau sind. Wenn ihr euren Text in der X-Dot-Methode, wie in der ersten Folge erklärt, geschrieben habt, müsst ihr nur die Zeilen zählen, um zu wissen, wie viele Takte jeder Abschnitt lang ist. Ein Beispiel für einen Songablauf wäre:

Songabschnitt Länge
Intro 4 Takte
Refrain 8 Takte
Strophe 1 12 Takte
Bridge 4 Takte
Refrain 8 Takte
Strophe 2 12 Takte
Refrain 8 Takte
Bridge 4 Takte
Refrain 8 Takte
Ourto 8 Takte

Überprüft hier, ob der Songaufbau konsistent ist. Sind alle Strophen gleich lang? Sind die Zeilen der Strophen ähnlich gefüllt, so dass sie ähnlich gesungen werden können?

Kann ich die Spannung durch den Aufbau steigern?

Manchmal steckt man so tief im Texten, dass man den Überblick für die Gesamtwirkung des Songs verliert. Darum fragt euch nun auch: Wird mein Text besser, wenn ich Teile weglasse, hinzufüge oder tausche? Macht es neugieriger, spannender oder Lust auf mehr?

Beispielsweise könnte der Songaufbau von oben spannender werden, wenn zwischen Intro und Strophe 1 noch kein Refrain kommt. Dann könnte sich die Spannung in der ersten Strophe langsam steigern. Es kann aber durchaus sein, dass der Song mit diesem ersten Refrain eingängiger wirkt als ohne. Probiert es aus!

Wie wirken die Songabschnitte miteinander?

Wenn ihr den Refrain einzeln schreibt, kann es sein, dass später im gesamten Song beispielsweise Wortwiederholungen auftreten, wenn der Refrain nun nach der dritten Strophe kommt. Überprüft also unbedingt noch einmal, wie die Songabschnitte in der richtigen Reihenfolge wirken.

Außerdem kann es passieren, dass sich Songabschnitte dann überlagern.Wenn eure Strophe in der letzten Zeile den gesamten Takt ausreizt, euer Refrain aber einige Silben vor dem Grundschlag Eins des nächsten Taktes beginnt, bekommt ihr ein Problem. Dort könntet ihr einen Fülltakt als Pause einbauen und den unter „Spannungssteigerung“ verbuchen, aber nur, wenn die Musik noch veränderbar ist. Andernfalls müsst ihr euren Text notgedrungen anpassen, so dass die Überschneidung nicht mehr auftritt.

Passen die Reime so?

Aus unserer zweiten Folge kennt ihr die Kriterien für saubere und unsaubere Reime. Außerdem sind Doppelreime in Songs meist eingängiger, als kurze Reime.

Fragt euch deshalb bei der Überarbeitung, ob ihr in allen reimenden Zeilen die Reime geschrieben habt, oder vielleicht noch Reime fehlen. Vielleicht wirken einige Reime auch wie Zweckreime, also stehen nur da, damit sich überhaupt etwas reimt. Solche Reime erkennt der Hörer intuitiv, den sie unterbrechen den roten Faden. Überarbeitet solche Reime! Vielleicht findet ihr einen besseren Reim, beispielsweise mit einem Reimlexikon. Andernfalls müsst ihr die Partnerzeile umformulieren, so dass ein neues Wort am Ende steht. Solches Umformulieren ist manchmal ziemlich nervig, lohnt sich aber im Gesamtbild des Songs unglaublich, denn mit dem flüssigen roten Faden steht und fällt ein guter Song.

Rhythmus

4 Grundschläge pro Zeile?

Wenn ihr euren Songtext nach der X-Dot-Methode geschrieben habt, sollte jede Zeile einem Takt entsprechen. Ob ihr das wirklich konsequent umgesetzt habt, könnt ihr herausfinden, indem ihr in jeder Zeile die Punkte und Xe zusammenzählt. Wenn das immer vier sind, dann kann euer Rhythmus wahrscheinlich so funktionieren. Sollten es einmal nicht vier sein, dann versucht, langsam mitzuklopfen und sprecht die Zeile noch einmal auf den Rhythmus – so, dass ihr ihn richtig nachvollziehen und aufschreiben könnt.

Klingt der Rhythmus natürlich?

In der ersten Folge haben wir euch außerdem erklärt, dass im Normalfall maximal vier Silben in einen Grundschlag passen. Überprüft, indem ihr den Text rhythmisch mitsprecht, ob die Silbenverteilung funktioniert. Hört euch an, ob sich der Sprechrhythmus natürlich anhört, so wie ihr ihn aufgeschrieben habt. Wenn etwas komisch klingt, überprüft, ob ihr die betonten Silben der Worte auf die Grundschläge gesetzt habt und korrigiert eventuell.

Passt der Rhythmus zum Tempo?

Das Tempo bleibt in den meisten Songs konstant. In einem schnellen Tempo könnt ihr insgesamt nur weniger Silben in einen Takt packen, als in einem langsamen Tempo. Überprüft deshalb eure Textverteilung, indem ihr den Songtext im Originaltempo mitsprecht. Wenn es Stellen gibt, die zu schnell oder zu langsam klingen, solltet ihr sie verändern.

Passen die Reime rhythmisch?

Reime stehen im Normalfall in zwei Zeilen an der gleichen Stelle im Takt. Sollte das nicht der Fall sein, sollte die Position des Reims zu einem Grundschlag die Gleiche sein, wie in der Partnerzeile. Das könnt ihr ebenfalls mit der X-Dot-Methode einfach überprüfen.

In der zweiten Folge „3, 2, 1… reimt’s?“ hatten wir einige Beispiele zur Position des Reims gezeigt.

Wo gibt es Pausen?

Pausen sind eins der wichtigsten Stilmittel in der Musik. Pausen erzeugen Spannung und Momente zum Hinhören. Außerdem kann der Artist an dieser Stelle bei der Liveperformance Luft holen.

Deshalb solltet ihr in eurem Songtext darauf achten, dass es genug Pausen gibt. Sowohl kleine Pausen in den Takten, an denen die Sätze inhaltlich getrennt werden können, als auch Pausen zwischen den Songbestandteilen, in denen sich der Hörer nur auf die Musik konzentrieren kann.

Bei der Überarbeitung könnt ihr unnötige Inhalte beispielsweise mit Pausen ersetzen. Manchmal wirkt weniger eben doch mehr.

Inhalt

Sage ich irgendwo zu viel oder zu wenig?

In unserer fünften Folge „Dein Lieblingssong – für 7 Mrd. Menschen“ hatten wir euch unter anderem das Meta- und Milton-Modell vorgestellt. Diese waren hilfreich, um eure Szenen und Bilder konkreter, bzw. vager zu beschreiben.

Überprüft euren Songtext, indem ihr die Perspektive vom Produzenten zum Konsumenten verschiebt, ob eure Bilder und Szenen nachvollziehbar sind, oder ob sie an Intensität gewinnen würden, wenn ihr Details weglasst oder hinzufügt. Nutzt das Meta- und Miltonmodell, um diese Passagen anzupassen.

Werden Bilder assoziiert?

Ein guter Songtext lässt Bilder in den Gedanken des Hörers entstehen. Versucht, aus dem Perspektivenwechsel heraus zu beurteilen, ob der Song bei euch Erinnerungen und Bilder assoziiert. Müssten diese Bilder noch genauer beschrieben werden?

Außerdem könnt ihr Freunde bitten, den Songtext zu lesen. Lasst sie hierbei allein und gebt ihnen genügend Zeit dafür. Fragt sie anschließend, ob sie der Text persönlich anspricht und ob sie irgendwelche Erinnerungen mit dem Text in Verbindung gebracht haben. Solche Gespräche geben wichtiges Feedback zu eurem Songtext.

Bleibt mein Faden rot?

Euer Songtext soll wie aus einem Guss sein. Ein starker roter Faden ist eines der Hauptqualitätsmerkmale in Songtexten. Deshalb fragt euch, ob der Ablauf der beschriebenen Bilder und Szenen für euren Hörer logisch ist. Sind die Bilder zueinander konsistent? Wie gehen diese Bilder ineinander über? Auch hier lohnt es sich, Freunde zu fragen, ob sie den Inhalt verstehen können.

Wenn ihr euch nicht sicher seid, ist das häufig schon ein Zeichen, dass der Zusammenhang nicht stark genug ist. Dann verändert Bilder, tauscht sie aus, oder nehmt ein Bild aus eurem Text heraus und geht dafür auf ein anderes genauer ein.

Solchen Problemen könnt ihr aus dem Weg gehen, wenn ihr euren ersten Entwurf bereits am Stück geschrieben habt und dort bereits alle notwendigen Bilder vorkommen. Das erreicht ihr, indem ihr mit der richtigen Einstellung in Trance schreibt, so, wie wir es in der dritten Folge „Fließbandtexten“ beschrieben haben.

Spreche ich alle an?

Aus unserer fünften Folge kennt ihr die Repräsentationssysteme. Für uns persönlich ist das häufige Springen zwischen den Sinnen ein wichtiges Qualitätsmerkmal für Songtexte. Überprüft, indem ihr die visuellen, auditiven und kinästhetischen Wörter bunt markiert, ob ihr diese drei Repräsentationssysteme ausreichend bedient.

Es lohnt sich, „leere“, also unbunte Zeilen zu überarbeiten und mit Sinnen anzureichern, damit wird jede Zeile realer. Ihr könnt Listen anlegen mit NLP-Wörtern, die zu eurem Thema und Inhalt passen. In solchen leeren Zeilen lässt sich so viel leichter ein Wort ersetzen oder ergänzen.

Verwende ich starke Worte?

Ähnlich verhält es sich mit der Verwendung von Starken Wörtern. Fragt euch wieder aus der Konsumentenperspektive – welche Assoziationen löst das Wortmaterial aus? Könnt ihr Starke Wörter hinzufügen, die noch mehr Gefühle auslösen und den Songtext intensiver machen?

Verwende ich Plattitüden?

Der Vorteil von Plattitüden ist, dass sie dem Hörer bekannt sind, und somit bekannte Assoziationen wecken. Häufig ist der Hörer aber auch gelangweilt von bereits bekannten Wortgruppen und sehnt sich nach kreativem und neuem Input.

Ein schöner Umgang ist deshalb, mit Plattitüden zu spielen. Indem ihr sie leicht verändert, oder in einen neuen Kontext setzt, könnt ihr einen Überraschungseffekt hinzufügen. Dieser macht die langweilige Plattitüde zu einem witzigen und kreativen Erlebnis des Hörers.

Beispielsweise könntet ihr Plattitüden so umformen:

„Wer den Pfennig nicht ehr, ist die Mark nicht wert.“ wird zu:
„Wer den Pfennig nicht ehrt muss nur noch Scheine zählen.“

„auf taube Ohren stoßen“ wird zu:
„auf blinde Augen stoßen“

Behalte ich die Perspektive und Zeitform?

Bleibt ihr konsistent in der Perspektive eures Songs? Wenn ihr in einer Strophe aus der Ich-Perspektive schreibt, ist es eigenartig, wenn die zweite Strophe aus der Wir- oder Du-Perspektive erzählt. Dieser Wechsel kann als Stilmittel durchaus funktionieren, aber keinesfalls unabsichtlich.

Das Gleiche gilt für die Zeitform. Ihr solltet nicht zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin- und herspringen, das verwirrt nur. Überprüft euren Song auf die konsistene Zeitform der Verben.

Gesamtbild

Welche Gefühle löst der Song aus?

Es ist schwer, seinen eigenen Song objektiv zu beurteilen. Deshalb ist das direkte Feedback von Freunden oder Testlesern wichtig bei der Songentstehung. Mit ihrer Hilfe könnt ihr herausfinden, ob euer Song die Gefühle auslöst, die er auslösen soll. Überprüft, ob diese Gefühle zu eurem Thema passen.

Fall nicht, könnt ihr einen neuen Inhalt zu eurem Thema generieren, der das Gefühl vielleicht besser transportiert. Wie das geht, habt ihr in der vierten Folge „Wie Bilder Worte werden“ gelernt.

Fragt euch außerdem, ob euch der Text persönlich mitreißt. Wenn nicht, warum nicht? Was könnte den Text spannender machen?

Passt mein Text zur Musik?

Text und Musik werden einzeln geschrieben, sollen sich aber optimal ineinander einfügen. Das ist ein schwieriges Problem bei der Songentstehung. Hinterfragt das für euch und bei Freunden, ob die Gefühle, die Text und Musik auslösen, optimal zueinander passen. Funktioniert der Sprechrhythmus mit dem Rhythmus in der Musik? Hilft die Musik dabei, die verwendeten Bilder entstehen zu lassen?

Im Zweifelsfall könnt ihr den Song auch erst fertig recorden und produzieren lassen, dann wird endgültig deutlich, ob beides zusammenpasst. Vielleicht ist euer Text ja gut, obwohl er nicht zur Musik passt. In diesem Fall könnt ihr ihn vielleicht später noch einmal verwenden, aber müsst für den aktuellen Song einen neuen Text schreiben. Schwamm drüber, das passiert auch den Profis!

Klingt der Text flüssig?

Zum Klangbild des Songs trägt der Text enorm viel bei. Es ist nicht nur der Inhalt der Wörter, der daran seinen Anteil hat, sondern auch, wie die Wörter ausgesprochen klingen. Die Phonetik im Englischen ist beispielsweise flüssiger als im Deutschen. Dennoch findet man auch für deutsche Texte wunderschön flüssig klingende Worte.

Besonders im Refrain solltet ihr darauf achten, dass euch beispielsweise eine Reihe hart klingender Konsonanten nicht das zarte Klangbild eures Lovesongs kaputt macht.

Wird die Aussage deutlich?

Manchmal entstehen unglaublich tolle Metaphern und Songinhalte, in die man sich als Songwriter so verliebt, dass man dabei bleibt. Schade ist nur, wenn die Metapher so schwierig ist, dass der Hörer sie nicht versteht. Wenn das Thema und das richtige Gefühl nicht wahrgenommen werden kann, verliert der ganze Songtext seinen Sinn.

Deshalb fragt euch, ob die Kernaussage nach 2-3 Mal hören zu verstehen ist. Denkt daran, dass der Hörer andere Assoziationen haben wird, als ihr sie bei der Metapher hattet. Wenn euer Inhalt zu schwer zu verstehen ist, dann solltet ihr ihn überarbeiten. Keep it simple.

Passt der Text zum Interpreten?

Egal, ob ihr den Song selbst singt, oder für einen anderen Interpreten geschrieben habt, der Song sollte zur Person passen. Jeder Interpret hat ein Image, eine Stimme und Themen, die er bisher in Songs behandelt hat. Dort soll sich euer Song einfügen. Er sollte das Gesamtbild bestärken, statt den Interpreten von Grund auf neu zu erfinden.

Alles andere würde der Authentizität des Interpreten schaden. Doch die Hörer wollen ihn „kennen“, wollen sich mit ihm identifizieren und seinen Aussagen vertrauen.

Das heißt nicht, dass ihr nicht experimentieren könnt. Nur sollten diese Experimente besser am Horizont des Interpreten stattfinden.

Gefällt dem Interpreten der Text?

Zusätzlich ist wichtig, ob sich der Interpret selbst mit dem Text identifizieren kann. Nur dann kann er oder sie den Text authentisch singen. Vielleicht braucht der Interpret auch ein wenig Zeit, um den Text selbst zu verinnerlichen. Ihr als Writer habt euch stundenlang mit dem Thema auseinandergesetzt, deshalb gebt dem Interpreten auch die Zeit, sich in den Text einzufühlen oder erklärt ihm den Text.

Wann ist mein Text fertig?

Diese Frage ist die Wichtigste der gesamten Überarbeitung. Die Antwort darauf findet ihr, wenn ihr mindestens zwei dieser drei Fragen mit „ja“ beantworten könnt:

  1. Bin ich selbst mit dem Text zufrieden?
  2. Habe ich alle gesagt, was ich zu diesem Thema sagen will?
  3. Sagt mein Bauchgefühl, dass der Text fertig ist?

Wenn mindestens zwei Antworten „ja“ sind, dann könnt ihr den Stift weglegen. Herzlichen Glückwunsch zum fertigen Song!

Übung
Übung: Nehmt euch einen bestehenden Text her, beispielsweise aus unseren letzten Übungen, und wendet die Fragen dieser Folge auf euren Text an. Schleift so lange an eurem Text, bis ihr glaubt, dass er fertig ist.

Einreißen, Neubauen

Manchmal kann man wochenlang an einem Text arbeiten und er wird einfach nicht zufriedenstellend. Solche Situationen können frustrierend sein. Vielleicht hat man selbst noch nicht die richtige Einstellung zum Thema gefunden, der Inhalt will sich nicht richtig entfalten oder man bleibt bei Formulierungen hängen.

In diesen Fällen greift eine der wichtigsten Lektionen, die wir in unseren Songwritererfahrungen gelernt haben: Einreißen, Neubauen.

Das heißt: Alles bisher dazu Geschriebene muss weg, damit ihr von Grund auf neu anfangen könnt. Das ist eine schwierige Aufgabe, da zu diesem Zeitpunkt schon viel Arbeit und Zeit in dem Text steckt. Aber das Trennen ist wichtig, damit etwas neues und besseres entstehen kann.

Deshalb räumt euren Text weit weg, in einen Ordner im Schrank im Nachbarzimmer und beginn von Null auf neu.

Vielleicht habt ihr noch einzelne Zeilen im Kopf, die sich später wieder aufgreifen lassen, aber zuerst muss der Abstand zum alten Text her, damit es Raum gibt für neue Ideen. Auch mal eine Nacht darüber schlafen kann eine völlig neue Perspektive eröffnen.

Diese Methode funktioniert auch mit einzelnen Songabschnitten. Wenn beispielsweise euer Refrain einfach nicht catchy genug wird, dann lasst ihn verschwinden!

Macht nach dem Einreißen am besten die Übungen aus der dritten Folge – Erden, Visualisieren und Freie Assoziation – und beginnt dann ruhig und entspannt mit dem Neubauen. Ich habe selten erlebt, dass ein nächster Versuch schlechter wurde, als der Vorherige. Und wenn doch, dann kann das Einreißen und Neubauen jederzeit wiederholt werden. Ein befreiendes und erleichterndes Gefühl!

Damit ist unsere Serie beendet. Wir hatte riesig viel Spaß dabei, die Lektionen vorzubereiten, die Videos zu drehen und den Blog zu schreiben. Es war auch viel Arbeit, die sich aber hoffentlich gelohnt hat. Deshalb würden wir uns freuen, wenn ihr uns helft, diese Serie bekannter zu machen. Wenn ihr also Freunde habt, die auch schon immer mal einen Songtext schreiben wollten, dann schickt ihnen doch mal diesen Link:

http://www.paul-marx-media.de/songtexten/

Außerdem könnt ihr uns, wenn wir euch wirklich beim Schreiben helfen konnten und ihr Freude an unserem Projekt hattet, gern mit einer kleinen Spende unterstützen, um Projekte wie dieses auch in der Zukunft zu ermöglichen. Den Link dazu findet ihr rechts unten auf dieser Seite.

Aber jetzt – ran ans Papier und schreibt euren nächsten Songtext! Ihr könnt mir eure Ergebnisse gern an paul.marx.media@gmail.com schicken, ich schaue gern mal drüber.

Wir wünschen euch alles Gute beim Schreiben eurer Songtexte und wir hoffen, irgendwann von euch zu hören!

Neurolinguistische Programmierung – Den Song erleben [05]

26. Januar 2015

Dein Lieblingssong – für 7 Mrd. Menschen

Aus dieser Folge können auch erfahrene Songwriter etwas mitnehmen: Wir stellen Techniken aus dem NLP (Neurolinguistische Programmierung) vor, die euch helfen, viele Menschen gleichzeitig sehr persönlich anzusprechen.

Was ist NLP? Die Neurolinguistische Programmierung beschreibt interessante Verknüpfungen zwischen Sprache und Gehirn. Wir erklären euch durch NLP Beispiele und NLP Übungen die wichtigsten Grundlagen für Neurolinguistische Programmierung. Wir zeigen euch, wie das Gehirn Assoziationen mit einem Songtext verknüpft und wie ihr das Metamodell nutzen könnt, um besser zu kommunizieren.

Neurolinguistische Programmierung

Eines der wichtigsten Ziele beim Songwriting ist, dass ein völlig fremder Hörer den Song beim ersten Hören verstehen kann und sich persönlich angesprochen fühlt. Wenn er Gefühle mit dem Song verbinden kann, entsteht ein viel tieferer Bezug zu eurer Musik. Und wir geben euch in dieser Folge die Mittel, diese Verbindung durch euren Text herzustellen. So, dass jeder Mensch, der die Sprache des Songs versteht, sich persönlich angesprochen fühlt.

Anfang der 1970er Jahre entwickelten Richard Bandler (Mathematiker und Psychologe) und John Grinder (Linguist) das Neuro-Linguistische Programmieren – kurz NLP. Hierbei geht es um Handlungsanweisungen (Programme) für Modelle der neurologischen Vorgänge (Neuro-) beim Sprechen (Linguistik).

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Die beiden Forscher modellierten damals die Kommunikation sehr erfolgreicher Therapeuten mit ihren Klienten, besonders ihre Sprache und Körpersprache. Dabei entstand eine Sammlung von Kommunikationsmodellen, die inzwischen immer populärer werden und vielen Menschen helfen, besser zu kommunizieren. Wir haben uns einige Jahre mit NLP beschäftigt und uns gefragt, welche Modelle für das Songtexten hilfreich sind. Die Wichtigsten davon können wir euch hier präsentieren!

Repräsentationssysteme

Menschen können ihre Umwelt durch ihre fünf Sinne wahrnehmen: Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken. Wenn wir Dinge wahrnehmen, speichern wir diese Erinnerungen gemeinsam mit der Sinnesempfindung ab. Wenn also jemand eine Rose in den Händen hält, speichert er das Wort „Rose“ gemeinsam mit dem Bild „Rote Blume mit Dornen“, dem Gefühl „Sticht, wenn ich zudrücke“ und dem Geruch „Duftet nach Rose“ in seinem Gehirn ab.

Im NLP geht man davon aus, dass jeder Mensch bevorzugte Sinneskanäle hat. Es gibt Menschen, die bei dem Wort „Rose“ am ehesten an das Bild einer Rose denken, also den visuellen Kanal bevorzugen. Andere erinnern sich bei diesem Wort eher an das Gefühl der Dornen und der zarten Rosenblätter. Diese Sinneskanäle nennt man im NLP „Repräsentationssysteme“ und sie werden mit VAKOG abgekürzt:

Visuell – Sehen

Auditiv – Hören

Kinästhetisch – Fühlen

Olfaktorisch – Riechen

Gustatorisch – Schmecken

Dabei sind Sehen, Hören und Fühlen die drei Repräsentationssysteme, die die meisten Menschen bevorzugen. Diese Bevorzugung geht soweit, dass Menschen in normalen Konversationen am liebsten Worte wählen, die ihren bevorzugten Kanal repräsentieren. Wir alle benutzen Worte und Redewendungen, die sich eindeutig in diese Repräsentationssysteme einordnen lassen:

Repräsentationssystem Sinneskanal Wörter Redewendung
Visuell sehen blendend, strahlen etwas einsehen
Auditiv hören still, Krach etwas klingt gut
Kinästhetisch fühlen Schmerz, warm einen festen Standpunkt haben
Olfaktorisch riechen duften, Gestank Eigenlob stinkt
Gustatorisch schmecken herb, süß eine bittere Erfahrung

Jeder Mensch benutzt grundsätzlich alle seine Sinne. Das NLP geht aber davon aus, das die meisten Menschen ein oder zwei bevorzugte Sinneskanäle haben, deren Wörter und Redewendungen sie dementsprechend auch öfter verwenden.

Im Umkehrschluss heißt das für die Kommunikation, das man einen Menschen am persönlichsten ansprechen kann, wenn man Wörter aus seinem bevorzugten Repräsentationssystem verwendet. Der Gesprächspartner kann die Unterhaltung so viel deutlicher wahrnehmen, weil seine Assoziationen und die im Gehirn abgespeicherten Informationen in diesem Sinneskanal viel reichhaltiger sind.

Wie beim Beispiel der „Rose“ gibt es viele Wörter, die mehrere Repräsentationssysteme gleichzeitig ansprechen. Beispielsweise „Lippen“ können visuell und kinästhetisch wahrgenommen werden. „Schmatzen“ kann visuell, auditiv, kinästhetisch und gustatorisch wahrgenommen werden. Sofern das bevorzugte Repräsentationssystem die Wahrnehmung des Wortes zulässt, funktionieren solche Wörter genauso gut, wie Wörter, die ausschließlich ein System ansprechen.

VAKOG beim Songtexten

Leider können wir Songwriter das Repräsentationssystem unseres Hörers nicht herausfinden, so wie die Therapeuten es getan haben. Wahrscheinlich kennen wir unseren Hörer nicht persönlich und zudem sind es im Idealfall mehrere.

Wir wissen nur, dass unter den vielen Hörern verschiedene Repräsentationssysteme vorhanden ist und wir gern alle gleichzeitig bestmöglich ansprechen würden. Die Lösung hierfür liegt in der Quantität der verwendeten Repräsentationssysteme. Wir sind fest davon überzeugt, dass die Repräsentationssysteme in den besten Songtexten ständig wechseln und alle wichtigen Kanäle gleichzeitig genutzt werden. Visuell, auditiv und kinästhetisch sind hierbei die Wichtigsten.

Diese Idee war zu Beginn nur eine Vermutung. Aber nachdem Felix und ich über Jahre hinweg erfolgreiche Songs aus verschiedenen Genres im Englischen und Deutschen daraufhin analysiert haben, stellte sich heraus, dass die meisten guten Songtexte mit dieser Regel unter einen Hut passen.

Wie kann so ein Songtext nun aussehen, der nun häufig zwischen V, A und K hin- und herspringt? Am besten zeigen wir euch das mal an einem Beispiel:

vakog

Durch die häufig wechselnden Repräsentationssysteme wird das Bild auf vielen Ebenen gezeichnet und der Hörer bekommt einen viel realistischeren Eindruck der Szene. Wenn er sie live erleben würde, hätte er ja auch Reize für alle fünf Sinne verfügbar, von denen er sich seine Bevorzugten filtern kann. Etwas fast so realistisches könnt ihr eurem Hörer geben, wenn ihr alle drei Sinne VAK gleichzeitig ansprecht.

Es wäre sehr anstrengend, beim Songtexten ständig darüber nachdenken zu müssen, welche Systeme gerade angesprochen werden und diese mit bunten Stiften zu markieren. Deshalb versuchen wir, beim Schreiben alle fünf Sinne präsent zu haben und somit intuitiv alle Sinne zu verwenden. Wir nennen diese Übung „Die fünf Sinne anspitzen“.

Dabei begeben wir uns gedanklich in die Szene, die wir beschreiben wollen und stellen uns dort Fragen, die zielgerichtet die Sinne ansprechen:

Wie sieht die Szene aus? Welche Personen und Dinge kannst du sehen?

Was kannst du hören? Wie klingt es?

Wie fühlt sich die Umgebung an? Welche Gefühle löst die Szene in dir aus?

Was kannst du riechen? Gibt es Dinge mit einem besonderen Geruch?

Gibt es Dinge mit einem besonderen Geschmack?

Diese und viele weitere Fragen an eure Sinne haben wir in unserer Fantasiereise eingebaut, die ihr schon aus der letzten Folge kennt. Probiert es vor dem Schreiben aus, für uns macht „Die fünf Sinne anspitzen“ einen großen Unterschied!

Übung
Übung: Nehmt euch einen bestehenden Text, oder schreibt einen Neuen. Versucht, ganz bewusst alle drei Sinneskanäle anzusprechen, so dass in vier Zeilen jeder Kanal mindestens ein Mal vorkommt. Wenn ihr keine Idee parat habt, dann könntet ihr über "Entspannung im Sommer" schreiben.

Die Lösung könnte zum Beispiel so aussehen:

Eine Strophe zum Thema „Entspannung im Sommer“ könnte beispielsweise so aussehen:

Es ist so schön, mit dir im Gras zu liegen,
die Vögel singen von nem Tag wie diesem.
Lass alles los – es ist uns lange nicht so gut gegangen.
Die Sonnenstrahlen zaubern dir ein Lächeln auf die Wangen.

Hörst du den Wind? Er streichelt dir das Haar,
die Blumen duften bunt, der Himmel ist so klar.
Keine Zeit die wir hier liegen kann verschwendet sein,
lass uns genau hier bleiben und wir geh’n nicht heim.

Metamodell

Das Metamodell ist eine Technik aus dem NLP, um vage Aussagen zu konkretisieren. Durch mehr Details vollzieht sich die Kommunikation auf einer tieferen Ebene und das beschriebene Bild wird konkreter. Diese Technik könnt ihr verwenden, wenn ihr den roten Faden in eurem Songtext vermisst und zu einer Szene noch mehr hinzufügen wollt, damit sie besser nachvollziehbar wird.

Die Technik besteht aus einer Reihe von Fragen, mit denen ihr jeden Bestandteil eurer vagen Aussage konkretisieren könnt. Beispielsweise könnte die vage Aussage „Sie schrieb ihm.“ mit folgenden Fragen spezifiziert werden:

  •  Wer ist sie?
  • Wer ist er?
  • Was schrieb sie?
  • Welche Beziehung haben die beiden?
  • Wann hat sie geschrieben?
  • Wo hat sie geschrieben?
  • Womit hat sie geschrieben?
  • Worauf hat sie geschrieben?
  • Warum hat sie geschrieben?
  • Hat er es schon gelesen?
  • Welche Gefühle hatte sie beim Schreiben und er beim Lesen?

Mit solchen Fragen könnt ihr Details hinzufügen, die die Aufmerksamkeit eures Hörers lenken. Dadurch kann ein Gefühl, ein Bild oder eine Metapher sehr viel deutlicher werden. Mit zu vielen Details nehmt ihr eurem Hörer hingegen die Chance, eigene Assoziationen zuzulassen. Um dem vorzubeugen gibt es das Miltonmodell.

Miltonmodell

Das Miltonmodell ist der Gegenpol zum Metamodell. Hierbei wird nun bewusst vage Sprache verwendet, um so mit den Erfahrungen des Hörers mitzugehen und den Zugang zu unbewussten Ressourcen zu erhalten.

Durch den Einsatz von vager Sprache entstehen Informationslücken. Der Hörer versucht, diese Informationslücken mit seinen eigenen Erfahrungen zu schließen. Er interpretiert seine eigenen Assoziationen in die Szene hinein.

Durch bewusst vage Songtexte könnt ihr somit Zugang zu den unbewussten Ressourcen aller Hörer erhalten und es entsteht eine tiefere Verbindung zwischen Songtext und Hörer, da die individuelle Bedeutung des Songtexts für jeden Hörer varriiert. Hier einmal ein Beispiel dazu:

„Es ist so schön, mit dir im Gras zu liegen.“

Mit dieser Zeile entsteht ein Bild von zwei Personen, die im Gras liegen. Außerdem ist vorgegeben, dass das Gefühl dabei schön ist. Dennoch ist die Aussage so vage, dass jeder Hörer seine eigenen Erfahrungen in die Zeile projizieren kann.

  • Ist es Frühling, Sommer oder Herbst?
  • Ist es Tag oder Nacht?
  • Wer ist die andere Person?
  • Was tun die beiden im Gras außer Liegen?
  • Wo ist dieses Fleckchen Gras? Auf dem Land, in der Stadt, im Freibad oder im Park?
  • Welches Gefühl wird mit dieser Situation wirklich verbunden? Schön ist eine sehr vage Beschreibung.

All diese Informationslücken kann der Hörer mit seinen eigenen Erfahrungen schließen, denn jeder Mensch lag schon einmal im Gras.

Mit solchen vagen Aussagen könnt ihr dem Hörer nur die nötigen Informationen geben, um sein Gefühl zu eurem Thema passen zu lassen, die Details sind für ihn viel wertvoller, wenn es seine eigenen sind. Und so gewinnt euer Song an Gefühlswert.

Starke Wörter

Es gibt Wörter, die bei vielen Menschen automatisch starke Assoziationen wecken. Das sind Wörter wie:

Liebe, ja, nein, bitte, Tod, Kraft, Hass, tief, schwarz, Sonne, trauern, lachen, blau, danke, weinen, Achtung, schreien, Blut, Tränen oder Meer.

Solche Wörter nennen wir „Starke Wörter“. Diese lassen sich nicht unbedingt in die Repräsentationssysteme einordnen. Diese Wörter sind emotional belegt, da uns ihre Bedeutung besonders stark anspricht.

In Musik sind solche Wörter echte „Hinhörer“. Euer Song gewinnt viel an Intensität, wenn ihr starke Wörter verwendet. Hierfür gibt es keine Regel, was genau starke Wörter sind. Unsere beste Methode war bisher, uns selbst zu fragen, welche Wörter bei uns persönlich starke Gefühle auslösen. Welche Assoziationen wecken bei euch starke Gefühle? Schreibt sie auf und verwendet diese Wörter in eurer Musik! Es ist sehr wahrscheinlich, dass diese Wörter nicht nur bei euch mit starken Gefühlen verbunden sind.

Vor fünf Jahren haben Felix und ich einen Song geschrieben, bei dem wir zu Beginn frei Wörter gesammelt haben, die zum Thema „Verzweiflung“ passen und mit starken Gefühlen verbunden sind. Diese Wortliste haben wir im Nachhinein versucht, in einen einigermaßen sinnvollen und vagen Text umzuformen. Hierbei entstand der Song „Die schwarze Seele des Todes“. Beurteilt selbst, welche Wirkung Starke Wörter  entfalten können.

Übung
Übung: Versucht einmal, zu eurem Songtext aus der letzten Übung starke Wörter zu finden. Baut sie anschließend in euren Text mit ein. Hat sich seine Wirkung verändert? An welchen Stellen könnte euer Text etwas mehr oder weniger Informationen enthalten? Versucht, mit Hilfe des Milton- und Metamodells die Aufmerksamkeit im Text bewusst zu lenken. Könnte der Song nun anders auf einen Hörer wirken, der ihn zum ersten Mal hört?

Die Lösung könnte zum Beispiel so aussehen:

Starke Wörter zum Thema „Entspannung im Sommer“ wären zum Beispiel:

Sonne, Sonnenstrahlen, blau, Himmel, Paradies, Liebe, lachen, danke, Meer, nackt, ja, baden, wundervoll, träumen, frei.

In meinem Textausschnitt habe ich einige dieser Wörter eingebaut:

 

Es ist wundervoll, mit dir im Gras zu liegen,
wir hörn die Vögel singen von nem Sommertag wie diesem.
Lass alles los – Sorgen gibt es heute nicht.
Die Sonnenstrahlen zaubern dir ein Lächeln ins Gesicht.

Auf zum Meer! Das Wasser ist so klar.
Los, lass uns nacktbaden gehen, wir sind fast da.
Ich kann das Meer schon hören, fühlst du, wie es riecht?
Ja, die Zeit mit dir ist wie im Paradies.

 

Der Text hat durch diese Änderungen stark an Intensität zugenommen. Er weckt bei mir viele Assoziationen von Urlaub, Sommer und Meer.

Das war’s schon wieder mit der fünften Folge. Wir hoffen, wir konnten euch einmal eine ganz andere Perspektive auf Songtexte zeigen. Für uns sind die Werkzeuge aus dieser Lektion zum Basisbestandteil aller unserer Songtexte geworden und wir hoffen, dass ihr sie auch so hilfreich findet, wie wir.

Am 20.02. erwartet euch unsere sechste und letzte Folge „Der Feinschliff – 100 lyrische Karat“. Darin wird es um die Überarbeitung eures Songtextes gehen.

Aber jetzt – ran ans Papier und schreibt euren nächsten Songtext! Ihr könnt mir eure Ergebnisse gern an paul.marx.media@gmail.com schicken, ich schaue gern mal drüber.

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Kreativitätstechniken – Für den idealen Inhalt des Songs [04]

26. Januar 2015

Wie Bilder Worte werden

Mit Kreativitätstechniken wie einem Brainstorming oder einer Mindmap könnt ihr in dieser Folge die richtigen Inhalte für eure Songtexte finden. Wir zeigen euch, wie ihr mit einem Vergleich oder einer Metapher tolle Bilder im Song unterbringen könnt. Durch Suggestion könnt ihr euch mit unserer Fantasiereise in Trance versetzen und die Vorteile der Mediation beim Songtexte finden nutzen.

Der Inhalt

In der letzten Folge „Fließbandtexten“ hatten wir euch den Unterschied zwischen Inhalt und Thema eines Songs vorgestellt. Noch einmal zur Wiederholung: Der Inhalt ist die tatsächlich ablaufende Geschichte, die die Worte des Songtexts beschreiben, während das Thema die Kernaussage ist, verpackt in dem Gefühl, mit dem der Hörer aus dem Song herausgeht.

Wir gehen in dieser Folge davon aus, dass ihr euer Thema bereits gefunden habt, und wir an dieser Stelle anknüpfen um den für euch passenden Inhalt zu finden.

Songtexte können unterschiedlich komplex sein. Es gibt Songs, die nur aus wenigen Worten bestehen, wie beispielsweise „Barbra Streisand“ von Duck Sauce. Der Vorteil solcher Songs ist, dass der Inhalt sehr unpräzise formuliert werden kann und dabei viele verschiedene Assoziationen in verschiedenen Hörern auslöst. Der Fokus des Hörers kann so mehr auf der Musik liegen. Bei Musik, die vorwiegend tanzbar sein soll, ist eine geringe Textkomplexität eine gute Option. Der Anspruch an die wenigen verwendeten Wörter ist damit aber höher, als bei längeren Texten. Es ist ziemlich schwierig, sein Thema in nur sehr wenigen Worten ausführlich genug zu beleuchten.

Andererseits gibt es Songs mit hoher Textkomplexität, also hoher Quantität an Worten. Beispielsweise Rapmusik zählt textlich zu den ausführlichsten Genres. Detailliert ausformulierte Texte vermitteln den Inhalt sehr konkret und können somit das Gefühl des Themas präziser ausdrücken. Hier besteht außerdem mehr Freiheit in der Inhaltswahl bezüglich eines festgelegten Themas. Weniger direkte Zusammenhänge zwischen Thema und Inhalt können mittels komplexer Texte besser hergestellt werden.

Neben der Komplexität ist die Authentizität eures Songtexts von großer Bedeutung. Wenn ihr über Themen und Inhalte schreibt, die ihr selbst erlebt habt, habt ihr Assoziationen auf viel mehr Ebenen als wenn ihr die Situation konstruiert. Eigene Erfahrungen kennt ihr im Detail und wisst, welche Aspekte davon für euch wichtig sind. Ein Thema, das in euren Gedanken aktuell präsent ist, ist neurologisch schneller abrufbar, wodurch viel mehr Aspekte einbezogen werden.

Genug der Einleitung, nun sitzt ihr vor eurem Papier, habt das Thema, aber wie findet ihr den richtigen Inhalt?

Kreativitätstechniken

Kreativitätstechniken regen eure Kreativität und Assoziationsfähigkeit an. Wir zeigen euch hier verschiedene Möglichkeiten, um aus einem abstrakten Thema oder einem Gefühl einen konkreten Inhalt zu formulieren.

Es gibt intuitive und diskursive Kreativitätsmethoden. Intuitive Methoden fördern die Gedankenassoziationen bei der Suche nach neuen Ideen. Mit Ihnen werden unbewusste Teile des Gedächtnisses aktiviert sowie Wissen, an das man sonst nicht denkt.
Diskursive Methoden hingegen gehen systematisch und logisch vor. Mit ihrer Hilfe wird das Problem in kleinste Einheiten aufgeteilt und durch Neukombination entstehen neue Ideen.

Versetzt euch, bevor ihr mit dem kreativen Teil beginnt, zuerst in Trance, so wie wir das in der letzten Folge Fließbandtexten gezeigt haben. Erdet euch, visualisiert euer Thema und macht die Übung zur freien Assoziation. Danach kann es direkt losgehen:

Die Bridgemap

Eine Bridgemap ist eine von uns abgewandelte Version der Mind Map und eher eine intuitive Methode. Hierfür schreibt zuerst euer Thema in die Mitte des Blattes. Anschließend werden Äste assoziiert, so frei wie möglich.

Wenn neue Thema beispielsweise “Sehnsucht nach Freiheit“ ist, könntet ihr an einem Ast beispielsweise “eingesperrt sein“, dann “Ketten“, dann “Schmuck“ und “Gold“ assoziieren. Je freier eure Assoziation ist, desto spannender werden die Inhalte später.

Wenn ihr das Blatt mit vielen solche Äste gefühlt habt, kommt die eigentliche Interpretation dieser Bridgemap. Dafür zeichnet ihr Brücken vom Thema zu Worten am Rand der Bridgemap. Zu jeder Brücke stellt ihr euch folgende Frage: “Wie könnte ein Song aussehen, dessen Thema das Thema in der Mitte ist und dessen Inhalt in irgendeiner Weise mit dem assoziierten Wort zu tun hat?“ Versucht, an dieser Stelle so wenig Grenzen wie möglich zu setzen. Im Beispiel könnte ein Song mit dem Thema “Sehnsucht nach Freiheit“ und dem Inhalt “Gold“ beispielsweise so aussehen: Der Song versetzt den Hörer in die Zeit des Goldrausches in Amerika. Aus der Perspektive eines armen Farmers wird beschrieben, wie drastisch sich sein Leben ändert und wie viel Freiheit er erfährt, wenn er auf eine Goldmine stößt und reich wird.

Macht anschließend eine Liste mit allen Inhalten, die für dieses Thema infrage kommen. Später könnt ihr dort eure präferierten Inhalte aussuchen.

Bridgemap

Das Brainstorming

Das Brainstorming ist eine intuitive Kreativitätsmethode. Sie eignet sich besonders, falls ihr bereits erste Ideen für einen Songtext habt. Hierbei werden eure Ideen und Assoziationen einfach ungeordnet aufgeschrieben. Das können Bilder sein, die ihr mit dem Thema verbindet, einzelne Worte, die ihr passend findet, oder sogar schon erste Zeilen, die euch dazu einfallen.

Wichtig beim Brainstorming ist, dass während der Assoziation keine Bewertung erfolgt und ihr die Ideen einfach fließen lasst. Sammelt alles, was euch dazu einfällt und sortiert erst im Nachhinein aus.

Das Ziel hierbei ist, eigene unbewusste Assoziationen aufzudecken und in die Inhaltsfindung einzubeziehen. Diese Technik lässt sich wunderbar nach einer Bridgemap verwenden, um den präferierten Inhalt genauer zu spezifizieren.

Brainstorming

Morphologisches Tableau

Ein Morphologisches Tableau ist eine diskursive Kreativitätstechnik, bei der Probleme in ihre kleinsten Bestandteile zerlegt werden. Ich habe hier einmal versucht, diese Technik auf Songtexte anzuwenden.

Völlig zufällig habe ich die drei Songs „Melanie Martinez – Dollhouse“, „Owl City – Fireflies“ und „Kraftklub – Zu Jung“ ausgewählt, und in einer Tabelle auf eine Achse geschrieben. Die andere Achse listet verschiedene Attribute auf, in die sich ein jeder Song zerlegen lässt. In unserem Fall habe ich hier „Thema“, „Inhalt in der Strophe“, „Inhalt im Refrain“, „Tempo“, „Perspektive“, „Songaufbau“, „wichtige verwendete Bilder“ und „Textkomplexität“ gewählt.

Anschließend habe ich alle drei Songs bezüglich dieser Attribute analysiert und die Tabelle gefüllt. Die Idee des Morphologischen Tableaus ist es nun, die Attribute neu miteinander zu kombinieren, um einen neuen Song entstehen zu lassen. Ich habe mir also aus jeder Zeile höchstens eine Ausprägung ausgewählt und sie rot umkreist. Attribute können auch ausgelassen werden, wenn sie nicht ins Gesamtbild passen, so wie ich „wichtige verwendete Bilder“ hier übersprungen habe.

Der neu entstandene Song ist natürlich nur ein Gerüst, an dem noch gefeilt werden muss. Er gibt aber eine grobe Idee für den neuen Song.

In meinem Beispiel wäre das Thema „Einsamkeit“ und der Inhalt hat in der Strophe etwas mit Orientierungslosigkeit in der Jugend und im Refrain mit Träumen und Realität zu tun. Der Text ist mittel komplex und aus der Ich-Perspektive geschrieben. Tempo und Songaufbau sind ebenfalls so entstanden.

Mit einem anschließenden Brainstorming lässt sich der Inhalt noch weiter spezifizieren, so dass am Ende beispielsweise folgende Idee entstanden sein könnte: Der Song beschreibt die Orientierungslosigkeit bei der Partnersuche. „Ich“ bin verzweifelt auf der Suche nach der passenden Partnerin und träume von meiner Traumfrau, mit der ich eine Familie gründen kann. In der Realität bin ich Nerd mit jeder Menge Hirn, aber Null sozialer Kompetenz und egal, was ich bei Frauen versuche, es funktioniert nicht. Ich fühle mich einsam und habe Angst davor, allein alt zu werden.

Das könnte ein sehr spannender Song werden, der schon hier keine Ähnlichkeit mehr mit den drei ursprünglichen Songs hat, aus denen er entstanden ist. Das Morphologische Tableau ist insofern recht aufwendig, weil es die Analyse der Songs einschließt, andererseits entstehen so auch Ideen, auf die das eigene Unterbewusstsein nicht unbedingt selbst kommen kann.

MorphTab
Übung
Übung: Versucht, mit Hilfe der Bridgemap + Brainstorming, oder mit Hilfe des Morphologischen Tableaus + Brainstorming einen Inhalt zu finden. Startet mit einem Thema aus euer Liste der letzten Folge "Fließbandtexten". Solltet ihr die Folge noch nicht gesehen haben, verwendet das Thema "Versagensangst".

Fantasiereise

Mit diesen Kreativitätstechniken könnt ihr euren Inhalt soweit definieren, dass ihr den Songablauf kennt und wisst, was genau ihr in Strophe, Refrain und Bridge sagen wollt. Sobald das WAS geklärt ist, sollten wir uns um das WIE kümmern.

Denn noch immer ist unklar, wie genau ihr diesen Inhalt auf den Punkt bringen könnt. Was sind die wichtigen Bilder, die ihr verwenden könnt? Welche Details braucht der Hörer, um das Thema so zu erleben, dass die richtigen Gefühle ausgelöst werden?

Hierzu ist es hilfreich, die Perspektive zu wechseln. Versetzt euch vom Produzenten in den Konsumenten hinein. Wie nimmt der Hörer den Song beim ersten oder zweiten Mal hören wahr? Welche Details aus eurem Inhalt helfen dem Hörer, das richtige Gefühl zu spüren und das Thema so wie ihr zu verstehen?

Für diesen Prozess ist die Visualisierungsübung aus der letzten Folge eine große Hilfe. Wir haben diese Suggestion für euch aufgenommen, damit ihr euch voll auf euren Inhalt konzentrieren könnt. Diese Fantasiereise führt euch in ein Kino, indem euer Song als Film abläuft.

Legt euch am besten einen Stift und Papier in die Nähe, setzt euch entspannt hin, haltet euer Thema und euren Inhalt bereit und begebt euch auf die Reise. Ihr findet die Suggestion hier:

Übung
Übung: Hört euch die Suggestion an und wendet sie auf euer Thema und euren Inhalt aus der Übung von oben an. Welche Details sind zu eurer Songidee hinzugekommen? Fühlt ihr euch nun eher in der Lage, direkt loszuschreiben?

Die Lösung könnte zum Beispiel so aussehen:

Ich habe diese Suggestion für mein Thema der „Sehnsucht nach Freiheit“ und der groben inhaltlichen Idee des Goldrauschs durchgeführt. Die Szene, die ich mir vorgestellt habe, spielte tief unter Tage in einer Mine. Dort mussten Sklaven bei wenig Licht, schlechter Luft und mit stumpfen Spitzhacken nach Gold suchen. Die Luft roch nach Staub und Schweiß, die Arbeiter hatten Durst und dennoch wurden sie von der Wache gedrängt, schneller zu arbeiten. Meine Hauptperson war einer der Sklaven, der in diesem Moment in einer Ecke einen Stein löste, hinter dem sich eine neue Goldader befand. Er zögerte, war am Überlegen, ob er diesen Fund nach Vorschrift sofort meldete, oder seinen Tod in Kauf nimmt und Teile des Goldes aus der Mine schmuggelt, um sich später seine Freiheit zu kaufen. Er entschied sich für den riskanteren Weg und im Laufe des Films, in mehreren Monaten sammelte er nach und nach ein kleines Vermögen. Die damit verbundenen Gefühle waren die Sehnsucht nach Freiheit, die Traurigkeit und Einsamkeit des tristen und harten Sklavenlebens, Angst davor, erwischt und getötet zu werden und ein wenig Hoffnung auf das Gelingen des eigenen Plans.
Zum Ende des Films konnte sich der Mann über einen befreundeten Farmer von seinem eigenen Gold kaufen lassen und hatte seine Freiheit zurück.

Dieser Film lief durchaus anders, als ich meinen Inhalt zuvor definiert hatte. Mein Unterbewusstsein hat mir hierbei aber eine Szene zugespielt, die viel reicher an Emotionen und an Bildern für das Thema „Sehnsucht nach Freiheit“ ist. Ich kann mir sehr gut vorstellen, direkt loszuschreiben und die vielen Eindrücke aus der Suggestion in meine Strophen einfließen zu lassen. Das reicht locker für einen ganzen Song.

Bilder

Bilder sind ein wichtiger Schlüssel zu guten Songtexten. Sie entstehen in den Köpfen eurer Hörer, lassen sich zwischen euren Zeilen lesen, wenn ihr sie gut genug beschrieben habt.

Wenn ihr im Songtext Bilder beschreibt, projiziert euer Hörer seine eigenen Erfahrungen, Erinnerungen und Gefühle, die zu diesem Bild passen, auf euren Song. Er versetzt sich in euer Bild, taucht in die Szene ein und dadurch werden Gefühle ausgelöst. Somit bekommt ihr indirekten Zugang zu dem Unbewussten eurer Hörer.

Jeder Mensch hat verschiedene Assoziationen, wenn er beispielsweise an „Entspannung“ denkt. Das ist ein sehr unkonkretes Wort und beschreibt nicht genug Details, um in verschiedenen Hörern ähnliche Bilder zu wecken. Wenn ihr die Entspannung aber mit Hilfe eines Bilds verpackt, ist die Szene schon klarer:

Wir liegen am Strand,
unter den Füßen der Sand,
kalter Cocktail in der Hand.
Du hörst das Rauschen des Meeres.

Im Moment angelangt,
zwischen Wasser und Land,
wo man Zeit vergessen kann.
Uns zieht es in die Ferne.

In dieser Textpassage wird nicht einmal das Wort „Entspannung“ oder „Urlaub“ verwendet, und doch werden die meisten Hörer eigene Gedanken damit assoziieren, die mit Entspannung und Urlaub zu tun haben.

Dabei werden dennoch viele Parameter offen gelassen. Wer sind wir? Wo ist der Strand? Was ist das für ein Cocktail? – Das Bild ist sehr vage gezeichnet, so dass für eigene Assoziationen Raum ist.

Die Kunst der Bilder in Worten ist, die Bilder vage genug zu zeichnen, um eigenen Projektionen Raum zu lassen, aber dennoch ausführlich genug, um den Hörer in die Szene des Songs zu führen – in Inhalt und Thema.

 

Bilder verbinden Inhalte mit Themen. Sie sind die Momente im Song, in denen der Hörer ein klares Bild des Inhalts vor Augen hat, und das Gefühl des Themas am stärksten spürt. Ein mächtiges Werkzeug für mitreißende Musik.

Wie genau Bilder vage bzw. konkret genug mit Worten gemalt werden können, erfahrt ihr in der nächsten Folge – „Dein Lieblingssong – für 7 Mrd. Menschen“.

Vergleiche & Metaphern

Bilder können über einen ganzen Song lang bis ins Detail beschrieben, oder auch nur in wenigen Worten gezeichnet werden. Ein Bild in wenigen Worten kennt man im Allgemeinen als „Vergleich“ oder als „Metapher“.

Ein Vergleich funktioniert durch ein Wort wie „wie“, oder „als“.

„Sie ist laut wie eine Sirene.“

Hierbei wird die Eigenschaft „Laut“ vom Gegenstand Sirene auf sie übertragen. Im Gegensatz dazu setzt eine Metapher Objekt und Subjekt gleich:

„Sie ist eine laute Sirene.“

Damit personifiziert der Hörer die Sirene und stellt sich sie als Sirene vor. Aus diesem Beispiel wird schon deutlich: Metaphern sind die direktere Form von Bildern und gedanklich eindrucksvoller. Vergleiche erzeugen hingegen mehr Abstand zwischen Subjekt und Objekt, was subtiler wirkt und in manchen Fällen die angebrachtere Wahl des Stilmittels ist.

Ich bin kürzlich auf einen Song der Band „Von Wegen Lisbeth“ gestoßen, in der das gesamte Thema des Songs mit der Metapher „Sushi“ beschrieben wird. Das „Sushi taucht nur kurz im Refrain auf, ist aber ein so kreatives und treffendes Bild, dass es mehr gar nicht bedarf. Hört euch den Song mal an: Von Wegen Lisbeth – Sushi

Übung
Übung: Welche einfachen Bilder könntet ihr für euer Thema als Metaphern verwenden? Wofür stehen sie? Versucht, euch aus der Konsumentenperspektive vorzustellen, welche Assoziationen diese Metapher bei jemandem auslöst, der den Song zum ersten Mal hört.

Die Lösung könnte zum Beispiel so aussehen:

Ich beschreibe hier ein paar Metaphern für meinen Goldrausch-Song aus den vorherigen Übungen.

Metaphern für Freiheit:
Gold, Licht, der befreundeter Farmer.

Metaphern für Angst und Bedrohung der Freiheit:
Sklavenleben, Ketten, Todesdrohung bei Verrat, der Wärter in der Mine.

Diese Metaphern könnten außer „Sehnsucht nach Freiheit“ noch folgende Gefühle assoziieren: Habgier, Freundschaft, Verzweiflung, Angst und Traurigkeit. Diese Gefühle passen auch alle in diese Szene. Ich muss beim Schreiben des Songs nur darauf achten, dass diese Gefühle nicht zu weit in den Vordergrund rücken, so dass die Sehnsucht nach Freiheit das eigentliche Hauptgefühl bleibt. Das erreiche ich, indem ich selbst das Gefühl beim Schreiben fokussiere und meine Bilder an dieses Gefühl anpasse.

Damit können wir das große Kapitel „Inhalt und Thema“ abhaken. Die nächste Folge ist für mich persönlich die interessanteste Folge von allen, da wir uns dort mit dem NLP, dem neurolinguistischen Programmieren, beschäftigen. Felix und ich haben lange daran gearbeitet, die wichtigsten Methoden aus dem NLP auf das Songtexten zu übertragen. Und wir freuen uns, euch am 13.02. unsere Ergebnisse präsentieren zu können.

Aber jetzt – ran ans Papier und schreibt euren nächsten Songtext! Ihr könnt mir eure Ergebnisse gern an paul.marx.media@gmail.com schicken, ich schaue gern mal drüber.

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Song Thema finden – Der erste Entwurf in wenigen Minuten [03]

26. Januar 2015

Fließbandtexten

In dieser Folge sprechen wir über den Unterschied zwischen Inhalt und Thema eines Songs. Wir zeigen euch Techniken, mit denen ihr das richtige Song Thema finden könnt. Außerdem erklären wir, wieso die bestens Songs am Stück geschrieben werden und wie ihr in den richtigen Flowzustand kommt, um den ersten Entwurf in nur wenigen Minuten zu schreiben.

Diese Episode hängt eng mit der Nächsten zusammen, in der wir uns um den Inhalt des Songtextes kümmern. Dort werden wir euch Techniken zeigen, wie ihr aus dem Thema einen kreativen und einzigartigen Inhalt ableiten könnt.

Am Stück

In den vielen Songtexten, die Felix und ich in den letzten Jahren geschrieben haben, hat sich immer wieder gezeigt, dass unsere besten Texte am Stück entstehen. Wir glauben, dass wir dieses Phänomen begründen und verallgemeinern können. Denn wenn ihr beispielsweise nur eine Strophe schreibt, und ein paar Tage später wieder an dieser Stelle ansetzen wollt, hat sich bis dahin viel verändert:

  • Ihr seid in einer ganz anderen Stimmung, als beim ersten Ansatz. Andere Gefühle rufen andere Assoziationen hervor, ihr werdet es also kaum schaffen, die Bilder aus der zweiten Strophe im selben Stil und mit der gleichen Wortwahl wie in der ersten Strophe zu beschreiben.
  • Eure Sicht zu Thema und Inhalt hat sich verändert. Als ihr euch das erste Mal an diesen Songtext gesetzt habt, waren die Ideen noch neu und frisch. Mit eurem ersten Versuch zu diesem Thema haben sich eure Gedanken in eurem Kopf entwickelt. In der Zwischenzeit habt ihr mehrfach über das Thema nachgedacht, habt neue Ansätze im Kopf und habt eure Gedanken bewertet. Ihr werdet es nur schwer schaffen, euch in den Zustand vom Beginn zurück zu versetzen und das Thema unvorbelastet zu behandeln.
  • Ihr habt euren ersten Versuch im Hinterkopf. Und diesen habt ihr inzwischen bewertet. Wenn ihr ihn gut findet, lastet jetzt der Leistungsdruck auf euch, die zweite Strophe genauso gut zu machen. Wenn ihr ihn schlecht findet, habt ihr eventuell ebenfalls Leistungsdruck, jetzt besser zu sein als beim ersten Mal. Beide Fälle sind Gift für eure Kreativität.

Die beste Lösung ist also: Schreibt den Song am Stück. So hat er einen roten Faden, der euren Gedanken folgt und ihr benutzt ein konsistentes Wortmaterial. Außerdem könnt ihr völlig frei mit dem Thema umgehen, da ihr keinen direkten Vergleich habt, um eure Leistung zu bewerten.

Wie ihr in den richtigen Zustand kommt, um kreativ und locker schreiben zu können, und wie ihr es schaffen könnt, nicht an einzelnen Formulierungen hängen zu bleiben, verraten wir euch später in dieser Folge!

Inhalt und Thema

Diese Lektion ist eine der wichtigsten für Songwriter. Inhalt und Thema eines Songtextes unterscheiden zu können ist ein Werkzeug, dass euch ermöglicht, völlig neue und kreative Texte zu schreiben.

Am besten lässt sich der Unterschied an einem Beispiel erklären: Nehmen wir den Song „Three little birds“ von Bob Marley. Das ist ein wunderschöner Song, aus dem man mit dem Gefühl heraus geht: Mach dir keine Sorgen, das geht schon alles in Ordnung.

Das Thema des Songs ist also die Hoffnung auf Vertrauen der Menschen. Das ist die Botschaft, die Kernaussage des Songs.

Bob Marley sagt in seinem Song aber nicht: „Ich hoffe, dass ihr einander vertraut.“ Stattdessen beschreibt er ein Bild von drei kleinen Vögeln, die bei Sonnenaufgang auf seiner Türschwelle sitzen und Lieder singen. Mit diesem Bild gibt er dem Hörer ein Gefühl des Vertrauens und Bewunderns.

Der beste Weg, seine Nachricht zu verbreiten, ist über ein Bild, ein Gefühl, das der Hörer selbst erlebt. Jeder versteht, was Bob Marley mit dem Song sagen will, auch wenn er es nicht selbst formulieren kann. Er hat sich also entschieden, sein Thema über ein Bild deutlich zu machen, das es verständlicher präsentiert als der bloße Satz „Ich hoffe, dass ihr einander vertraut.“ Und dieses Bild, was Bob Marley beschreibt, ist der Inhalt seines Songs. Das sind die Wörter, die in Strophe und Refrain wirklich dastehen. Das ist die Szene, die er beschreibt.

Der Inhalt funktioniert also als eine Art Metapher für das Thema. Der Inhalt beschreibt, wie ich meine Nachricht vermittle, das Thema sagt, was ich überhaupt vermitteln möchte.

Es gibt Songs, bei denen Inhalt und Thema sehr ähnlich sind. Einige Clubsongs haben beispielsweise das Thema Freude am Feiern. Und im Inhalt wird exakt eine Party beschrieben und die Aktionen und Gefühle, die damit einhergehen. Dennoch ist Thema und Inhalt hierbei nicht gleich. Freude am Feiern thematisieren viele Songwriter, aber jeder sagt das mit anderen Worten. Jeder beschreibt andere Szenen, Bilder und Geschichten. Somit unterscheiden sich die Inhalte trotzdem voneinander, auch wenn sie dasselbe Thema beschreiben.

Auf der anderen Seite können Songinhalte auch völlig konträre Themen ausdrücken. Mit einer actionreichen Jagd durch einen Dschungel kann ein völlig anderes Thema vermittelt werden, beispielsweise Angst vor Terrorismus. Die skurrilsten Verknüpfungen können so hergestellt werden, weil die Wahrnehmung der Hörer die Brücke zwischen beiden schlägt. Songs wie „Fields of Gold“ von Sting oder „Über den Wolken“ von Reinhard Mey sind Beispiele, in denen Thema und Inhalt keineswegs gleich sind. Dennoch vermitteln sie die Kernaussagen so deutlich, dass das Gefühl durch den Song greifbar wird.

Übung
Übung: Versucht, bei einigen eurer Lieblingssong das Thema und den Inhalt so kurz und genau wie möglich zu beschreiben. Wie wirkt das Thema des Songs durch den gewählten Inhalt und die beschriebenen Bilder?

Die Lösung könnte zum Beispiel so aussehen:

Kraftklub „Zu Jung“

Thema: Sehnsucht nach echter Rebellion
Inhalt: Die Kraftklub-Generation lebt in einer ganz anderen Welt als die Rock’n’Roll-Generation. Sie fühlen sich orientierungslos und sehen keine Möglichkeit, angemessen zu rebellieren. Diese Generationskontraste werden in den Strophen beschrieben. Der Refrain bringt dieses Gefühl auf den Punkt, sich „Zu jung“ zu fühlen.

Dieser Song verwendet sehr viele Bilder, die schnell wechseln, aber alle konsistent zum Thema passen. Mit diesem Inhalt wird das Thema sehr spielerisch vermittelt und drückt Orientierungslosigkeit, die fast zu Verzweiflung führt, aus.

 

Marteria „Mein Rostock“

Thema: Verbundenheit zu Rostock
Inhalt: Marteria beschreibt eine Heimkehr nach Rostock, viele Seiten und Aspekte von Rostock mit zahlreichen Bildern. Dabei wird die Stadt personifiziert, er spricht sie direkt an und verbindet viele Gefühle und Charaktereigenschaften der Rostocker Menschen mit der Stadt. Im Refrain beschreibt Marteria, wie ihn diese Stadt groß und stark gemacht hat und wie stark er mit ihr verbunden ist.

Das Thema wird durch die Personifizierung von Rostock wirklich emotional. Das Gefühl Liebe wird im Bezug auf Menschen viel deutlicher und nachvollziehbarer. Durch die vielen verschiedenen Bilder und Gefühle wird die Dauer und Intensität dieser Beziehung erst wirklich deutlich.

Das Song Thema finden

Bei der Suche nach einem guten Thema ist wichtig, dass ihr euch persönlich mit damit identifizieren könnt. Sucht in eurer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nach Themen, die euch besonders beschäftigen. Einerseits wird es euch so viel leichter fallen, euren Song mit Szenen und Bildern anzureichern, andererseits habt ihr dann auch eine ganz andere Beziehung zu eurem Songtext.

Ein gutes Thema ist mit Emotionen verknüpft. Hoffnung, Liebe, Trauer, Ängste, Wut, Freude, Sorgen und viele weitere Gefühle können der Schlüssel zu eurem Thema sein. Sucht am besten nach einem Erlebnis oder Gedanken in eurem Leben, mit dem ein Gefühl verbunden ist, welches ihr gern ausdrücken wollt.

Das können sehr kleine Dinge sein, wie zum Beispiel der Gedanke, gern Schokoladenkuchen zu essen. Der ist vielleicht mit einer Vorfreude verbunden und einem tollen Geschmack.

Es können aber auch sehr große und bewegende Dinge sein, wie beispielsweise das Gefühl, euer Abschlusszeugnis überreicht bekommen zu haben, oder vielleicht die Angst vor dem Tod nahestehender Personen in der Zukunft.

Versucht, dieses Thema nun allgemein und kurz zu formulieren, so dass in 2 -6 Worten deutlich wird, welches Gefühl ihr damit verbindet.

Beispiele für solche Themen wären:

  • extatische Vorfreude auf Schokoladenkuchen,
  • Stolz auf die eigene Leistung,
  • Sorge um das Sterben des Großvaters,
  • Sehnsucht nach Freiheit,
  • Glaube an eine höhere Macht,
  • Zweifel an Gott,
  • überwältigt sein von der Schönheit der Welt,
  • Hass auf die Fleischindustrie.

Die Themenmatrix

In unserem Video haben wir die Themenmatrix vorgestellt. Diese basiert auf der Idee, dass geschrieben formulierte Themen meistens aus zwei Dingen bestehen: Einem Gefühl und einem Subjekt, auf dass sich das Gefühl bezieht.

Wir stellen in einer Matrix auf zwei Achsen somit eine Liste von Gefühlen einer Liste von Subjekten gegenüber. Die Liste von Gefühlen sind bei uns die sieben Basisemotionen nach Paul Ekman: Freude, Wut, Ekel, Angst, Abscheu, Trauer und Überraschung. Die gegenüberliegenden Subjekte sind eine Liste von Themen, die unserer Meinung nach jeden Menschen interessieren, da sie die meisten Menschen persönlich betreffen: Beziehungen, Sexualität, Geld, Beruf, Hobbies, Träume, Zukunft und Reisen.

Beide Achsen können beliebig weit aufgefächert werden, da sich jeder der enthaltenen Punkte weiter spezifizieren lässt. Statt Angst könnten beispielsweise stehen: Schock, Lampenfieber, Todesangst, Schmetterlinge im Bauch, Unwohlsein, Versagensangst und viele weitere. .

Statt Zukunft könnte beispielsweise stehen: Diese Woche, Einkaufen, eine Ansprache halten, nächstes Jahr, eine Familie gründen, mein gesamtes Leben, die Menschheit in 1.000 Jahren, Wahrsagen und viele weitere.

Somit ist die Themenmatrix ein recht allgemein gehaltenes Instrument, das euch unendlich viele Themen bereithält, wenn ihr die Gefühle und Subjekte für euch weiter unterteilt und miteinander kombiniert. Allein aus den Beispielen, mit denen ich Angst und Zukunft ersetzt habe, könnte ich schon ein Album mit Themen füllen.

Wichtig ist, dass ihr mit den entstandenen Themen spielt. Wenn ich mir beispielsweise keinen Song vorstellen kann, dessen induziertes Gefühl „Lampenfieber vor einer Rede“ ist, würde ich stattdessen versuchen, meinem Hörer die Angst / das Lampenfieber vor seiner Rede zu nehmen. Ein besseres Thema für mich wäre also: „Selbstvertrauen bei einer Rede“.

Themenmatrix
Übung
Übung: Formuliert mit Hilfe der Themenmatrix eine Liste eigener Themen. Achtet darauf, dass ihr jedes Thema mit einer eigenen Erfahrung verbinden könnt. Diese Liste wird euch später beim Schreiben eurer Songs enorm weiterhelfen.

Die Lösung könnte zum Beispiel so aussehen:

Im Bezug auf meine gewählte Unterteilung von Angst und Zukunft könnte ich mir folgende Themen vorstellen:

  • Selbstvertrauen bei einer Rede,
  • Angst vor dem Waldsterben,
  • Todesangst vor einem terroristischen Anschlag,
  • Hoffnung durch Glauben an Wahrsagerei,
  • Schmetterlinge im Bauch vor dem ersten Date,
  • Versagensangst wegen Leistungsdruck im Jurastudium.

Die Trance

Wir sind der Meinung, dass sich der erste Entwurf des gesamten Songtextes in ungefähr 10 Minuten schreiben lässt. Mit der richtigen Einstellung, dem richtigen Umfeld und der richtigen Vorbereitung können wir uns zum Schreiben in eine Trance versetzen, unter der Blockaden keine Rolle mehr spielen.

Eine Trance hat, entgegen der landläufigen Meinung, nichts Magisches oder Hypnotisches an sich, sondern ist ein ganz alltäglicher Zustand. Beim konzentrierten Lesen eines guten Buches blenden viele Menschen ihr Umfeld so stark aus, dass sie mit ihrer ganzen Aufmerksamkeit in die Welt des Buches eintauchen und nichts mehr um sich herum wahrnehmen. Diesen Zustand nennen wir „Trance“ und ist der Schlüssel zum erfolgreichen Songtexten.

Das Umfeld

Wichtig ist zuerst, dass ihr euer Umfeld richtig wählt und entsprechend vorbereitet. Es sollte ein entspanntes und ruhiges Umfeld sein, egal, ob ihr allein oder in einer kleinen Gruppe textet. Ihr solltet eure Ruhe haben und nicht von externen Personen gestört werden können. Also: Handy aus, Fenster und Tür zu und alle weiteren Störquellen, die vom Texten ablenken, ausschalten. Nehmt euch außerdem genug Zeit. Wenn in 30 Minuten schon der nächste Termin ansteht, müsst ihr unter Zeitdruck arbeiten und das macht die Trance nahezu unmöglich.

Das Mindset

Wir haben drei Übungen für euch, mit denen Ihr eure Kreativität und Aufmerksamkeit fördern könnt, bevor ihr mit dem Texten beginnt. Diese Übungen versetzen euch in ungefähr 10 Minuten in den Zustand der Trance.

1. Das Erden:

Setzt euch bequem hin, schließt die Augen und beruhigt euren Körper. Atmet tief in den Bauch ein, haltet den Atem und zählt bis drei, dann atmet langsam wieder aus. Konzentriert euch dabei voll auf eure Atmung, wie die Luft durch die Nase bis tief in den Körper hinein- und herausströmt. Dieser Fokus und das Atmen beruhigt euch und lässt alle Sorgen und Gedanken verschwinden.

2. Die Visualisierung:
Nehmt euch bereits an dieser Stelle euer Thema bzw. euren Inhalt her und versucht, ihn euch bildhaft vorzustellen. Dies könnt ihr beispielsweise tun, indem ihr euch vorstellt, in ein Kino zu gehen und euren Song als Film zu erleben. Stellt euch vor, wie eure Musik im Hintergrund läuft und dazu auf der Leinwand die Bilder und Szenen zu sehen sind, die euch zu eurem Thema geführt haben. Welche Personen, Handlungen und Gespräche drücken euer Gefühl aus?

3. Die freie Assoziation:
Egal, ob ihr allein, oder in einer kleinen Gruppe seid, bei dieser Übung solltet ihr laut sprechen. Stellt eine Stoppuhr auf genau zwei Minuten und beginnt zu sprechen. Die einzige Regel: Ihr dürft in diesen zwei Minuten nicht aufhören, zu sprechen. Zu Beginn werdet ihr versuchen, logisch zu assoziieren, aber irgendwann ist euer Mund schneller als euer Bewusstsein und ihr beginnt, euer Unterbewusstsein sprechen zu lassen. Diese Übung fördert euer Assoziationsvermögen und hilft beim Texten, schnell Einfälle zu generieren, auf die ihr mit logischem Denken nur langsamer oder gar nicht kommen würdet.

Übung
Übung: Probiert diese drei Übungen einmal aus und versetzt euch in Trance. Besonders die freie Assoziation ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber nach einigen Versuchen kann sie echte Wunder bewirken.

Die goldenen Flowregeln

Flow ist ein interessantes Phänomen, zu dem in den letzten Jahren einige inspirierende Bücher erschienen sind. Der Flow beschreibt einen Zustand beim Arbeiten, indem Dinge schnell und flüssig entstehen, ohne das Blockaden die Kreativität bremsen. Ihr könnt den Flow durch das Induzieren der Trance erreichen.

Nehmt euch nach den drei Übungen also Stift und Papier und beginnt zu schreiben. Lasst alle Ideen und Gedanken zu und schreibt sie auf. Im Idealfall schreibt ihr viel zu viele Ideen auf, aus denen ihr später die besten Passagen auswählen könnt. Euch sollte bewusst sein, dass ihr das aktuelle Gefühl und die aktuelle gedankliche Einstellung zu eurem Thema und Inhalt nach dem ersten Schreibversuch nicht wieder zurückholen könnt. Wie ich oben beschrieben habe, werden sich eure Einstellung und eure Gedanken mit dem ersten Schreiben verändern. Das ist nicht schlimm, wirkt manchmal sogar Wunder für neue Ansätze, heißt aber auch, dass ihr alles fließen lassen und festhalten solltet, was euch nun in den Sinn kommt.

Mit folgenden Regeln im Hinterkopf vermeidet ihr Schreibblockaden:

1. Reime sind zweitrangig!
Bleibt nicht daran hängen, Reime auf eure Zeilen zu suchen! Der rote Faden ist im Moment wichtiger, Reime können dort später ergänzt werden.

2. Beurteilt nicht!
Es gibt kein Gut oder Schlecht! Deshalb bewertet eure Ideen nicht, sondern schreibt sie erst einmal auf. Später ist noch genug Zeit, um die Spreu vom Weizen zu trennen.

3. Lasst es fließen!
Euer Unterbewusstsein wird euch Assoziationen zuspielen, mit denen ihr nicht gerechnet habt. Lasst das zu! Genau diese Gedanken und Gefühle machen den Song authentisch. Nutzt die Bilder und Assoziationen, schreibt sie auf, spinnt sie weiter um den roten Faden nicht abreißen zu lassen.

4. Bleibt im Gefühl!
Gefühle lassen sich nicht steuern. So lange ihr also in dem Gefühl seid, dass euer Thema inspiriert hat, solltet ihr den roten Faden nicht abreißen lassen.

Mit diesen simplen Regeln habt ihr die Werkzeuge, um euren gesamten Songtext am Stück herunterschreiben zu können. Wenn der Trancezustand nicht abreißt, könnt ihr wirklich „schreiben wie am Fließband“. Um die Überarbeitung und den Feinschliff werden wir uns später kümmern. In der nächsten Folge „Wie Bilder Worte werden“ widmen wir uns zuerst einmal dem Inhalt eures Songs. Wir zeigen euch faszinierende Kreativitätstechniken, die ein tolles Zusammenspiel von Inhalt und Thema ermöglichen. Schaut unbedingt mal vorbei!

Aber jetzt – ran ans Papier und schreibt euren nächsten Songtext! Ihr könnt mir eure Ergebnisse gern an paul.marx.media@gmail.com schicken, ich schaue gern mal drüber.

Viel Spaß beim Ausprobieren!